Buchrezension – Antonia Michaelis: »Im Auge des Leuchtturms«

Es ist so weit: Ich möchte Euch zum ersten Mal mein Buch des Monats vorstellen!

Ich habe mich für »Im Auge des Leuchtturms« von Antonia Michaelis entschieden, da mich dieses Buch wirklich zutiefst berührt hat – wie im Übrigen schon »Friedhofskind«. Da es sich bei »Im Auge des Leuchtturms« nicht um einen Nachfolger handelt, kann das Buch losgelöst von anderen Werken der Autorin gelesen und verstanden werden.

Vielleicht wichtig vorab: Ich verrate Euch das Ende nicht, und auch sonst braucht ihr keine Angst vor Spoilern zu haben.

Kurz zum Inhalt:

Protagonistin des Krimis ist Nada Schwarz, eine junge Frau Mitte dreißig, die in Berlin ein erfolgreiches Leben als Managerin führt. In ihrem Job ist sie nahezu unschlagbar, doch Privates hat in ihrem Leben keinen Platz. Eines Tages erhält Nada eine Postkarte, auf der ein Leuchtturm abgebildet ist. Auf eine diffuse Art kommt ihr dieser Leuchtturm zwar vage bekannt vor, doch sie kann ihre Erinnerung daran nicht einordnen. Hat sie den Turm schon einmal live gesehen? Oder in einer der Galerien, in denen sie Bilder für ihre Kunden aussucht? Einen Absender enthält die Karte nicht, dafür jedoch die Aufforderung, auf die Insel zu reisen, auf der der Leuchtturm steht. Von nun an gerät Nadas Leben aus den Fugen. Sie erleidet Schwindelanfälle, verhält sich wirr, kann Realität, Traum und Erinnerung nicht mehr voneinander unterscheiden. Verzweifelt versucht sie, wieder die Kontrolle über ihr Leben und ihr Verhalten zu erlangen, doch bald wird ihr klar, dass dies nur gelingen kann, wenn sie tatsächlich auf die Insel fährt, um dort dem Ursprung der Karte auf den Grund zu gehen. Auf der winzigen (fiktiven) Nordseeinsel angekommen, trifft sie auf Menschen, die Nada gut zu kennen scheinen, an die Nada sich aber ebenso wenig erinnern kann wie an den Leuchtturm, in welchem sie von nun an – in der Wirklichkeit? Im Traum? – viel Zeit verbringt. Bis ihre Erinnerung Stück für Stück zurückkehrt und ihr Tragisches ins Gedächtnis ruft …

Meine Meinung:

Besonders beeindruckt hat mich an diesem Kriminalroman die bildreiche Sprache der Autorin, die mich von der ersten Seite an für sich eingenommen hat. Nach der Lektüre von »Friedhofskind« hatte ich sehr hohe Erwartungen an das Buch, die nicht enttäuscht wurden. Antonia Michaelis gelingen auch in diesem Werk wieder wunderbare Übergänge vom Traum über die Erinnerung in die Realität und wieder zurück. Immer wieder rätselt man als Leser, ob die Protagonistin sich gerade in der »wirklichen Welt« befindet oder ob man einen ihrer Träume miterlebt. Besonders spannend dabei: Immer häufiger gelingt selbst Nada die Unterscheidung nicht mehr, was zu einer Vielfalt an möglichen Handlungssträngen führt, ohne jemals zu sehr zu verwirren oder zu überfordern.

Die Geschichte spielt im späten Herbst, was sich zum einen in der Rauheit der Insel widerspiegelt, zum anderen aber auch im verschlossenen und teils ruppigen Verhalten ihrer Bewohner. Bei allem Nebel, der Kälte, der Dunkelheit und dem Nervenkitzel bricht sich jedoch auch Zartes und Verletzliches Bahn – in Form von kindlicher Liebe, erwachsener Enttäuschung und unergründlichen, aber unerschütterlichen Familienbanden. Mich hat das Buch absolut überzeugt!

Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier.

Ich freue mich auf Eure Kommentare – denn wie schon Edmund Wilson wusste: »No two persons ever read the same book.«


Antonia Michaelis, »Im Auge des Leuchtturms«

Emons Verlag

Broschur, 312 Seiten

ISBN 978-3-95451-675-9

Euro 14,95 [D], 15,40 [AT]

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