Mein erster Rechtsverstoß

Vorgestern Abend lag ich nach einem recht entspannten Sonntag ziemlich früh in der Koje – es war vielleicht 22.30 Uhr -, weil ich ausgeruht in die volle Woche starten wollte, die mir bevorstand. Kurz nachdem mein Kopf das Kissen berührt hatte, war ich auch schon am Eindösen.

Um 22.47 Uhr jedoch saß ich senkrecht im Bett. Vollkommen fertig mit den Nerven. Mit einem Puls jenseits von Gut und Böse.

Nicht so clevererweise hatte ich vergessen, mein Handy vom WLAN zu trennen, sodass mich zu besagter Uhrzeit eine E-Mail mit der alarmierenden Betreffzeile »Verstoß Wortmarke Herzsprache®« erreichte.

Ihr Inhalt besagte, ich habe durch die Verwendung des Worts »Herzsprache®« einen rechtlichen Verstoß begangen, und enthielt die Bitte, das Wort von meiner Seite zu nehmen. (Ich hoffe, es ist okay, dass ich es – mit dem Registered-Zeichen versehen – nun für diesen zu »Lehrzwecken« verfassten Blogpost verwende.)

Mit etwas zeitlichem Abstand muss ich gestehen, wie sachlich und sogar verhältnismäßig freundlich die E-Mail formuliert war, doch im ersten Augenblick ging mir dermaßen die Pumpe, dass ich auch jetzt noch keine Worte für den Zustand finde, in dem ich mich in diesem Moment befand.

Meine erste Sorge war witzigerweise nicht, mir nach wochenlanger Hirnakrobatik schon wieder einen neuen Namen für meinen Blog überlegen zu müssen (diese Erkenntnis kam dann kurz darauf…), sondern die düstere Ahnung, dass meine Entscheidung, mich selbstständig zu machen, mit bei mir eintrudelnden Anwaltsschreiben und Unterlassungsbescheiden einhergehen könnte. Was hatte ich mir bloß dabei gedacht, meinen sicheren Hafen ausgerechnet in Richtung der so unübersichtlichen See namens Internet zu verlassen, dieses tosendsten aller Berufsmeere?! Ich, die ich zwar schon immer gern online unterwegs gewesen war, aber doch noch nie die »Ich schau mal bei meinen sozialen Netzwerken vorbei«- oder die »Lass uns das doch schnell googeln«-Grenze überschritten hatte. Die keine Ahnung davon hatte, welcher Verstöße man sich mir nichts, dir nichts schuldig machen konnte und welche Regeln man womöglich ständig – wenn auch unwissentlich – missachtete.

Meine leicht panische Überreaktion auf diese wie gesagt sachliche (wenn nicht sogar freundliche!) E-Mail verdeutlicht ja nur meinen eben alles andere als routinierten Umgang mit solcherlei Angelegenheiten. Markenrecht, Internetrecht, überhaupt das eigenverantwortliche Bewegen und Schreiben im Netz – spannend! Schön! Frei! Aber eben neu für mich.

Das Ende vom Lied war nach ein paar tiefen Atemzügen das Umbenennen meines Blogs in etwas Temporäres, Sinnloses (»fuerdenuebergang« oder so ähnlich) sowie das Durchforsten der Beiträge und Seiten nach dem oben genannten Begriff, um ihn an den entsprechenden Stellen rauszunehmen.

Die Nacht, die mein ruhiger Start in die Woche werden sollte, verbrachte ich mit allerlei Hirngespinsten und dem Überlegen nach einem neuen Namen für den Blog.

»Im Sprachgewand« gefällt mir gut. Vielleicht sogar noch besser als sein Vorgänger. Und das Beste: Der Begriff ist nicht geschützt. Diesmal hab ich vorher nachgeschaut…

Eure Sarah

P.S.: Mit der Dame, die mich auf den rechtlichen Verstoß aufmerksam gemacht hat (und die sich den Begriff »Herzsprache®« schlauerweise hat schützen lassen) habe ich gestern Abend kurz telefoniert, um mich zu entschuldigen und ihr zu versichern, dass ich ihrer Aufforderung Folge geleistet habe. Sie hat meiner Seite »sehr viel Dynamik« attestiert und mir von Herzen viel Erfolg für meine Projekte gewünscht. Da hab ich mich gefreut. Eigentlich gar nicht so furchteinflößend, so eine Konfrontation mit dem Gesetz.

P.P.S.: Zusätzlich zur Veröffentlichung im Blog sortiere ich diesen Beitrag sicherheitshalber in die Kategorie »DOs and DON’Ts für Freiberufler«…

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